Mittelerde - Schatten des Krieges

Spielname: Mittelerde - Schatten des Krieges
Hersteller: Warner
Vertrieb: Warner
Erhältlich ab: 09.10.2017
Gesamt: gut

Heller Herrscher, dunkler Herrscher - Hauptsache, alle knechten!

Einen Ring der Macht schmieden, Ork-Hauptmänner telepathisch unterjochen, Mordor plündern und ein gewaltiges Heer aufstellen, um damit Tolkiens Fantasy-Reich Mittelerde vor der drohenden Herrschaft Saurons retten. Das ist - in aller Kürze - die Hauptaufgabe in "Mittelerde - Schatten des Krieges", der Fortsetzung des 2014er-Überraschungshits "Mordors Schatten". Der Weg dahin? Fordernd, packend, mitunter irritierend und manchmal auch frustrierend.

Wieder dreht sich in diesem Action-Abenteuer, das zeitlich zwischen "Der Hobbit" und "Herr der Ringe" angesiedelt ist, alles um den menschlichen Helden Talion und den Geist des Elbenschmieds Celebrimbor, der einst die Ringe der Macht hergestellt hat - den "einen, sie zu knechten" inklusive.

"Schatten des Krieges" besteht aus einer Vielzahl von Spielelementen. Die wichtigsten: In den fünf weitläufig angelegten Gebieten Mordors so viele Orks wie möglich erledigen, jede Menge Nebenmissionen abarbeiten und die Gedanken von angeschlagenen Widersachern per Magie anzapfen, um ihnen Informationen über ihre Feldherren zu entlocken.


Die sind besonders gefährlich: Nicht bezwungene, verschmähte oder nur verletzte Ork-Häuptlinge starten eine eigene Karriere in Saurons Diensten - und können sich nach mehreren Spielstunden zu Erzfeinden des Spielers entwickeln, nebst eigener Festung und tobendem Gefolge im Rücken. "Nemesis" nennt Warner dieses System, das nach einem ellenlangen Prolog in Kraft tritt und nun deutlich reizvoller und ausgeklügelter ist als noch im Vorgänger. Denn die Boss-Orks zeigen nun jede Menge Charakter, sind nachtragend und haben individuelle Stärken sowie Schwächen, die bei ihrer Bekämpfung helfen können. Ist ein Kommandant zum Beispiel anfällig für Gift-Attacken, sollte man seine Waffen entsprechend präparieren. Noch besser ist es allerdings, wenn man die von Warzen und Pusteln übersäten Ekelpakete davon überzeugen kann, sich Talion eigenem Feldzug anzuschließen und an seiner Seite gegen "das Auge" auszurücken.


Elementar wird der Beistand der Orks in den zum Schluss der Kampagne tobenden "Schattenkriegen" und bei diversen Burg-Eroberungen: Dann sieht sich Held Talion mit einer dermaßen großen Übermacht konfrontiert, dass er selbst auf Maximal-Level mit all seinen mächtigen Fähigkeiten nahezu chancenlos ist. Einfacher wird's, wenn man in der Kampagne fleißig orkische Verbündete geworben hat.


Die einzige Alternative: Im Online-Shop des Spiels viele "Loot"- oder "Beute"-Boxen kaufen, die mit etwas Glück schlagkräftige Verbündete enthalten. Günstig ist der monströse Support aus dem Internet-Store aber nicht: Für eine digitale "Wundertüte" - gefüllt mit legendären Kriegern und Ausrüstungsgegenständen - sind 600 Goldstücke fällig. Die kratzt man entweder in vier bis fünf Spielstunden zusammen oder legt dafür rund sechs echte Euro hin. Auf Spieler-Seite hat das an die Mikro-Transaktionen von Free-to-Play-Games angelehnte System bereits für reichlich Unmut gesorgt - aber tatsächlich ist der Shop-Besuch nicht erforderlich, um den "Schatten des Krieges" wieder zu vertreiben.


Doch unabhängig davon, auf welche Weise der Spieler seine eigenen Reihen verstärkt, bleiben die Scharmützel gegen Orks, Warge, Trolle und andere Monster-Brocken teils frustrierend schwer. Selbst auf dem niedrigsten Schwierigkeitsgrad ist die Befreiung Mittelerdes alles andere als ein Spaziergang. Der Grund: Entwickler Monolith bemüht abermals ein auf Reaktionsschnelligkeit gebürstetes Kampfsystem, bei dem im richtigen Moment vorgegebene Tasten gedrückt werden müssen, um feindliche Angriffe zu blocken oder ihnen mit vernichtenden Kontern zu begegnen.


Das sieht zwar fantastisch aus und sorgt für mitunter filmreife Duelle, wird aber gerade bei größeren Feindansammlungen unübersichtlich bis chaotisch. Außerdem wird das an sich interessante "Nemesis"-Feature arg überstrapaziert: Zeitweise tummeln sich auf dem Schlachtfeld gefühlt mehr Ork-Hauptmänner als reguläre Truppen - langatmig inszenierte Selbstdarstellungen im Akkord sind die Folge.


Über die kniffligen Scharmützel und die teils kurios gestalteten Ork-Chefs lässt sich diskutieren. Beim sehr freizügigem Umgang mit der Tolkien-Vorlage sehen Fans schon eher rot. Schade außerdem, dass Monolith sein Spiel derart mit Extra-Features und ergänzenden Spielmechanismen überladen hat, dass es manchmal zur spaßfreien Ochsentour gerät. Hier wäre weniger mehr gewesen.


Nur wer sich mit diesen Defiziten und dem strittigen Loot-Box-System arrangieren kann, bekommt großes Action-Kino - mit gewaltigem Umfang, famoser Inszenierung, diesmal auch abwechslungsreichen Landschaften und ein paar prominenten Gastauftritten. Allerdings sollte er hinter "Schatten des Krieges" kein Rollenspiel erwarten: Trotz typischer Mechanismen wie steigerbarer Fähigkeiten und Erfahrungspunkte ist auch der neue Ausflug nach Mittelerde vor allem eins - ein brachiales Echtzeit-Gekloppe mit gelegentlichen Schleichgängen und Drachenflügen.


Robert Bannert

Trailer

Mit "Xenoblades Chronicles 2" bekommen Rollenspiel-Fans schon im ersten Switch-Jahr einen echten Brocken serviert: Der ist zwar ausgesprochene Nischen-Kost, bietet dafür aber eine ungewöhnliche und riesige Spielwelt.
Geister und Geheimnisse im Schottland der 1920er-Jahre: Adventure-Experte King Art und THQ Nordic verpassen der bei Point&Click-Fans beliebten Grusel-Reihe "Black Mirror" einen Neustart.
Von Hulk, Thor und den Guardians of the Galaxy bis hin zu Squirrel Girl: "LEGO Marvel Super Heroes 2" wartet mit über 200 Figuen aus dem Comic-Universum auf. Doch trotz irrem Epochen-Hopping bleibt die Abwechslung auf der Strecke.
Die Grafik-Macht ist stark in diesem "Star Wars"-Spektakel: "Battlefront 2" beschert seinen Fans eine Einzelspieler-Kampagne und jede Menge neue Mehrspieler-Inhalte, sorgt aber gleichzeitig für eine Kontroverse, die mittlerweile ganze Staaten beschäftigt.
Mit "Need for Speed: Payback" gibt EA mächtig Gas: PC- und Konsolenspieler erwartet nicht nur die bislang weitläufigste Spielwiese und -wüste der Reihe, sondern auch ein gewaltiger Fuhrpark samt Scheunenfunde und Tuning-Möglichkeiten. Eingebettet ist das PS-Geprotze abermals in eine filmisch aufgezogene Story.
Zurück den Wurzeln: "Call of Duty: WW2" spielt wieder auf den Schlachtfeldern des Zweiten Weltkriegs und legt deshalb mehr Wert auf eine packend inszenierte Story mit einem Hauch von Kriegs-Kritik. Rasante Multiplayer-Modi und Nazi-Zombies stehen trotzdem wieder auf der Action-Agenda.
Antike Meuchel-Kunst im Schatten der Pyramiden: Nach ungewohnt langer Pause meldet sich "Assassin's Creed" mit der Ursprungs-Geschichte "Origins" zurück und verlegt seinen Schauplatz von Europa an den Nil.
"Minecraft" als Serie: ARD und ZDF schaffen mit ihrem Millennial-Portal Funk das zwölfteiliges Abenteuer "Antarktika" im Pixellook.
Zyklopen die Augen auspieksen und Harpyien die Flügel stutzen: Das wuchtige Action-Rollenspiel "Titan Quest" erscheint nach über zehn Jahren auf Konsolen.
Keine Blockbuster vom Kaliber eines "GTA", sondern ausschließlich Spiele aus kleinen bis mittelgroßen Studios soll ein neuer Publishing-Arm von Take2 veröffentlichen: "Private Division" wird sich ganz auf Indie-Games konzentrieren.
Aus Januar wird März: Das von Rollenspiel-Fans herbeigesehnte "Ni No Kuni 2" aus der japanischen RPG-Schmiede Level 5 verspätet sich - schon wieder.
Sind Loot-Boxen wie in "Star Wars Battlefront 2" Glücksspiel? "Ja", sagen erboste Gamer und politische Gegner des Konzepts. Doch in zwei Ländern ist der entsprechende Vorstoß gegen die Mikro-Transaktions-Praxis bereits fehlgeschlagen.
Bahnbrechende Exklusiv-Games, eine überraschend gute Unterstützung durch Fremd-Hersteller und ein innovatives Spielkonzept: Nintendos Switch ist weiter auf Erfolgskurs und gehört zu den Must-Haves im florierenden Weihnachtsgeschäft.