Cuphead - Don't deal with the Devil!

Spielname: Cuphead - Don't deal with the Devil!
Hersteller: Studio MDHR
Vertrieb: Microsoft
Erhältlich ab: 29.09.2017
Gesamt: gut

Endgegner-Parade mit Sprung in der Schüssel

"Cuphead" sieht aus wie ein Cartoon aus den 30er-Jahren, wandelt spielerisch auf den Spuren von Baller-Klassikern wie "Contra" und "Mega Man" und lässt sich dabei von einem live eingespielten Jazz-Soundtrack begleiten. Hat sich das lange Warten auf den schon vor Jahren angekündigten und furios inszenierten Indie-Titel de Animations-Spezialisten Chad und Jared Moldenhauer gelohnt? Nur für Profi-Gamer. Denn das Ergebnis ist ein strapaziöser Endgegner-Marathon.

Nach einem Besuch im Teufels-Kasino haben die beiden Tassen-köpfigen Brüder Cuphead und Mugman ein echtes Problem: Weil sie sich beim Würfelspiel gegen den Leibhaftigen verzockt haben, müssen sie innerhalb von 48 Stunden die Seelen von allerlei Endgegnern eintreiben - sonst fahren sie selber zur Hölle!

Also spazieren die beiden Geschirr-Köpfe (Zweispieler-Modus) oder eine einzige trübe Tasse über eine Weltkarte nach "Super Mario"-Vorbild, um dort Level für Level und Boss für Boss abzuarbeiten: In "Run & Gun"-Abschnitten wird nach dem Vorbild alter Shooter-Games wie "Contra" aus allen Rohren gefeuert, in vereinzelten Jump&Run-Passagen gehüpft und heranrollenden Hindernissen ausgewichen. Sinn und Zweck der Tortur: So viele Gold-Täfelchen wie möglich einsammeln, um sie nach der Rückkehr auf die Weltkarte gegen stärkere Waffen oder eine Erweiterung der persönlichen Energie-Anzeige einzutauschen.


Die Upgrades sind auch bitter nötig, denn die unzähligen Boss-Kämpfe gegen die Teufels-Schuldner sind allesamt höllisch schwer: Kerne verschießende Riesen-Sonnenblumen, Mega-Spechte und Meeres-Medusen eröffnen das jeweilige Endgegner-Gefecht zwar verhältnismäßig zahm, mutieren im Verlaufe des Kampfes aber zu gnadenlosen Bestien, die selbst gestandenen Gamepad-Akrobaten Tränen in die Augen treiben. Ein vor der jeweiligen Begegnung anwählbarer "leichter" Schwierigkeitsgrad fungiert dabei nur als Fingerübung - wer "Cuphead" durchspielen und seinen schießwütigen Helden den Teufel vom Porzellan-Hals halten will, der muss die Schlachten auch auf "Normal" durchleiden.


Die im Look von 30er-Jahre-Trickfilmen gehaltene Optik (stilechte Bildstörungen und -verunreinigungen inklusive), wunderschöne Animationen und ausgefeilte Bewegungs-Muster halten Retro-Fans zwar treffsicher bei Laune. Dafür mangelt es der liebevoll präsentierten Obermotz-Schau an einer echten Spannungskurve. "End"-Gegner funktionieren in Spielen als echter Höhepunkt, denen ihnen zuvor ein kompletter Level vorausgeht. Weil "Cuphead" diese die Boss-Begegnungen im Akkord aneinander reiht, verliert das Bildschirm-Inferno schnell an Reiz - aller inszenatorischen Qualitäten zum Trotz.


Wissenswertes am Rande: In der Spiele-Presse hat "Cuphead" eine Diskussion darüber ausgelöst, über welchen Grad an spielerischer Kompetenz Games-Redakteure eigentlich verfügen müssen, bevor sie Spiele "testen" dürfen. Auslöser war das Youtube-Videos eines Redakteurs, der "Cuphead" bei der diesjährigen Gamescom ausprobierte und sich dabei so offenkundig ungeschickt anstellte, dass ihm viele Gamer Unglaubwürdigkeit unterstellten.


Robert Bannert

Trailer

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